Leider wurden keine weiterführenden Begriffe gefunden.
 

Die Echse mit dem Giftbiss

USA Expeditionen

Als Rob Bredl, der barfüßige australische Buschmann und Reptilienspezialist (unter anderem bekannt durch die Dokumentarfilm-Reihe "Killer Instinct") bei einem Tripp in die Staaten einer Krustenechse begegnete, näherte er sich dem Tier nur äußerst respektvoll. Nicht ohne Grund. Die Gila-Krustenechse (die im Südwesten der USA und Mexiko lebt) und die Skorpionskrustenechse (aus Mexiko) sind nämlich die beiden einzigen bekannten giftigen Echsen *.

Ihre Heimat sind die Wüsten und Halbwüsten, wo sie nestjungen Vögeln und soeben geborenen Kleinsäugern nachstellen. Auch Gelege, sei es die anderer Reptilien oder von Vögeln, haben Krustenechsen "zum Fressen gern". Im Gegensatz zu Waranen oder Agamen (die behende jeder Beute nachstellen), sind die Tiere nämlich eher träge Räuber, die behäbig durch ihr Revier patrouillieren und dabei nach Fressbarem Ausschau halten (bzw. ihre Beute erschnuppern). Hierbei leistet die Zunge, die eine Duftspur regelrecht "aufsaugt", gute Dienste ...

Ganz zum trägen Gehabe passt der Körperbau der Tiere: Krustenechsen sind von walzen-förmiger Statur. Typisch ist der breite, leicht abgeflachte Kopf der bis 80 Zentimeter großen Tiere. Was zudem ins Auge sticht, ist die auffällige Warnfärbung, die der unserer Wespen nicht unähnlich ist. Tatsächlich sind schwarz-gelbe (oder auch schwarz-rote) Warntrachten im Tierreich weit-verbreitet. Vielen Räubern ist die Furcht vor diesem Muster bereits angeboren, so dass sie so gefärbten Tieren lieber aus dem Weg gehen.

Wird ein Krustenechse dennoch einmal von einem Feind angegriffen, dann vertraut sie auf ihr Gift, das in umgewandelten Speicheldrüsen produziert wird und durch gefurchte Zähne in die Wunde des Opfers "injiziert" wird. Insofern ist die Giftapparatur bei allen Reptilien gleich.

Bei Schlangen liegen die Giftdrüsen jedoch im Oberkiefer, bei den Krustenechsen im Unterkiefer. Zudem müssen die Echsen (im Gegensatz zu Giftschlangen, die ihr Opfer nach dem Biss wieder blitz-schnell los lassen) ihre Beute länger gepackt halten. Sie scheinen regelrecht auf der Biss-Stelle zu "kauen". Das Gift muss nämlich erst durch eine Art Rinne zwischen Lippe und Unterkiefer fließen. Ein Grund, weswegen die Echsen ungemein fest zupacken, so dass sie - haben sie wirkliche einmal einen Menschen attackiert - oft erst dann wieder los lassen, wenn ein Helfer ihren Kiefer bricht!

Das Gift dient der Jagd wie auch der Verteidigung, die jedoch mitnichten blindwütig und "aus heiterem Himmel" erfolgt. In der Regel senden die Tiere zunächst eindeutige Warnsignale (Fauchen und Zischen).

Der Biss führt zu heftigen Schmerzen, und das Gift wirkt auf das zentrale Nervensystem, so dass auch die Gefahr einer Atemlähmung besteht. Zu spaßen ist mit den Tieren (die wegen ihrer Zähigkeit früher auch bei Reptilienfans beliebt waren) daher nicht!

Heute gelten beide Arten als gefährdet und stehen auf der "Roten Liste". Unser Foto zeigt eine Krustenechse im botanisch-zoologischen Garten Wilhelma in Stuttgart. Um die Wespentracht zu illustrieren, wurde zudem einer der schwarz-gelben Brummer in das Foto montiert.

krustenechse

Fotos: Wilhelma & Hoffmann



* Als problematisch, sprich: gefährlich, gilt zudem der Biss vieler Warane wie auch Krokodile, da die Zähne und der Rachen der Fleischfresser voll von Bakterien und Fäulniserregern sind, die bei einer Attacke in die Wunde des Gebissenen gelangen. Hierbei handelt es sich dann jedoch um eine sekundäre Infektionen, kein "richtiges" Gift. Manche vermuten jedoch (wie auch bei einer Agame) eine zusätzliche aktive Giftproduktion!