Donnerstag, 15. Dezember 2011 um 00:00

Unvergessen, wie in einer großen süddeutschen Tageszeitung, als es (mal wieder) um das Abschmelzen der Pole ging, die Zeichnung eines jagenden Eisbären gezeigt wurde, der hinter seiner vermeintlichen Beute, einem Pinguin, her war. Im Untertitel hieß es dann sinngemäß, dass dem größten Landraubtier der Erde allmählich die Jagdgründe unter den Tatzen weg schmelzen ... was dann sogleich eine Vielzahl von Leserbriefen - durchaus auch mit spöttischem Unterton -, zur Folge hatte: Denn Eisbären bewohnen nun mal die nördliche Polarregion, während Pinguine auf der Südhalbkugel unserer Erde leben. Ein Eisbär wird also niemals einen dieser flugunfähigen Seevögel zu Gesicht bekommen, ebenso wenig, wie jemals ein Dinosaurier einen Menschen gejagt hat!
Nun, auch Redakteure sind nur Menschen und machen mal Fehler. Wobei die Antarktis, der südliche Polarkreis, derzeit wieder ein ganz großes Thema ist. Und das, obwohl es hier - zumindest vordergründig betrachtet -, nichts als eine endlose, weite Leere zu entdecken gibt.
Doch heuer ist es 100 Jahre her, dass zwei Männer ein ehrgeiziges Ziel und einen großen Traum hatten. Nämlich den, als erster Mensch am Südpol zu stehen. Hierfür nahmen sie ungeheure Strapazen auf sich und kämpften sich durch die eintönige Eiswüste. Wobei der (durchaus dramatische) Ausgang des „Wettlaufs“ hinlänglich bekannt ist:
Am 14. Dezember 1911 erreichte der Polarforscher Roald Amundsen, samt 18 Mitstreitern, den Südpol. Als der Engländer Robert Falcon Scott am 18. Januar 1912 den Pol erreichte, wehte dort bereits die norwegische Flagge. Tragischer noch: Auf dem Rückweg liefen er und seine Männer in den Tod!
Wobei die Region bis heute nichts von ihrer Faszination und wilden Urwüchsigkeit eingebüßt hat. Lediglich die Risiken konnten und können minimiert werden - doch jedes Forscher-Team und jede Expedition hat bis heute mit der Kälte und den rauhen Gegebenheiten zu kämpfen. Auch jene, die anlässlich des Jubiläums auf den Spuren der Südpol-Bezwinger wandeln (wollten), zum Teil jedoch frühzeitig aufgeben mussten. Tatsächlich sind bzw. waren rund 20 Expeditionen anlässlich des 100. Jubiläum von Roald Amundsens Ankunft am südlichsten Punkt der Erde auf dem Weg. Laut „Welt online“ die Norweger gleich in mehreren Trupps, die Briten (gerade so, als wollten sie die Scharte von damals auswetzen!?) auf beiden Routen mit einem Doppel-Team, das aus Soldaten besteht ...
Die Thüringische Landeszeitung indes wagte anlässlich der 100-Jahr-Feier einen Zeitsprung in den Dezember des Jahres 1983. Denn seinerzeit brach der Jenaer Dr. Hans-Ulrich Peter erstmals in die Antarktis auf - und blieb lange 15 Monate. Problematisch seien weniger die Temperaturen als die Winde, zitiert das Blatt den erfahrenen Polarforscher, im „Zivilleben“ Ornithologe an der Friedrich-Schiller-Universität, der sich zwischenzeitlich 21 Mal in die südlichen Kälte gewagt hat.
Fünf Jahre seines Lebens hat er, wohlgemerkt in der Nähe des Südpol verbracht. Der eigentliche Südpol dagegen scheint ihm wenig(er) verlockend, „da es hier nichts weiter als drei Kilometer dickes Eis, jedoch keine Pflanzen und keine Tiere gibt!“
Und er „jagt“ mit seinen Studenten nun mal Robben, Raubmöwen, Pinguine und Sturmvögel. Und sorgt sich, angesichts der Touristen, um die einzigartige Region. Deren Anzahl (jährlich 40.000) hätte sicherlich auch Amundsen und Scott sehr verwundert.
Aktualisiert: Dienstag, 27. Dezember 2011 um 13:32
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