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Expeditionen in die Antarktis
Die Faszination, die von der Antarktis ausgeht, ist immer noch unglaublich hoch. Das wirft natürlich Fragen auf: Was gibt es denn dort so Großartiges, außer Einsamkeit, lebensfeindlicher Natur mit Eis, Kälte, schneidendem Wind oder Sturm, blendendem Licht oder undurchdringlicher Dunkelheit, an manchen Orten eine fast schon absolut zu nennende Stille und jeder Menge gespeichertes Süßwasser? Der folgende Text soll einen kleinen Einblick in die Welt am Südpol und die Antriebskraft des Gefahrenkitzels, des Verlangens nach Ruhm, der Entdeckung von Neuem und natürlich in die allgegenwärtige wirtschaftliche Gewinnorientierung geben.
Abgrenzung Nordpol - Südpol
Der Nordpol wird gerne in einem Atemzug mit dem Südpol genannt. Daher folgen nun einige Details zum nördlichen Pol, um die Zusammenhänge deutlicher werden zu lassen. Beide Pole sind mit Eis bedeckt und für die wissenschaftliche Forschung sowie für Abenteuer-Suchende gleichermaßen interessant.
Im Gegensatz zum Südpol, bei dem sich unter der kilometerdicken Eisschicht ein Kontinent verbirgt, ist der Nordpol bzw. die den Pol umgebende Region, die Arktis, kein eigenständiger Kontinent, sondern nur eine schwimmende Eis-Scheibe, die von noch mehr Eis bedeckt wird. Der Nordpol umfasst die nördlichen bzw. polnahen Anteile der Kontinente Nordamerika, Europa und Asien sowie das Nordpolarmeer. In der Umgebung des Nordpols sind reiche Vorkommen an fossilen Brennstoffen zu finden, was möglicherweise künftig zu Problemen führen könnte. Auch in Sachen territorialer Ansprüche sind die Zuständigkeiten manchmal noch etwas unklar. Eigentlich werden diese Aspekte im Arktisvertrag geregelt, doch die Diskussionen diesbezüglich flammen immer einmal wieder auf.
Klimagenerator Nordmeer
Der Einfluss des Nordmeeres auf Europa ist aber ohnehin schon groß genug: Es gilt als Klimapumpe für Europa, die Wassermassen vermischt und so erheblichen Einfluss auf das Wetter nimmt. Zudem gibt es im Nordmeer so etwas wie einen immensen „Wasserfall". Dieser nimmt Kohlendioxid mit sich in die Tiefe, das im Wasser für Jahrhunderte gebunden und dadurch der Atmosphäre entzogen wird. Irgendwann später tauchen diese Wassermassen in wärmeren Gebieten wieder auf, machen sich mit dem warmen Golfstrom wieder auf ihren Weg in Richtung Norden und bringen dabei angenehmes Klima für Europa mit. Nicht erst seit der Klimakonferenz in Kopenhagen ist das Thema Kohlendioxid und der Treibhauseffekt in aller Munde. Die Erforschung der Mechanismen im Nordmeer tragen zu einer korrekten Einschätzung der Klimaentwicklung bei.
Die AntarktisAntarktika und Antarktis werden oft irrtümlich synonym gebraucht. Antarktika bezieht sich lediglich auf den Kontinent und die dazugehörigen Inseln. Antarktis ist der Oberbegriff für den Kontinent, die Inseln und das Meer bis zum 50. südlichen Breitengrad. Der Kontinent an sich unterteilt sich in einen etwas kleineren westlichen Teil und einen gigantisch großen Ostteil. Dieser Kontinent ist so groß wie Australien und Europa zusammengenommen. Die in den umliegenden Meeren schwimmenden Tafel-Eisberge sind typisch für diese Gegend und machen die Schifffahrt nicht gerade einfach. Ins Meer fließendes Schelf-Eis, abbrechende Gletscher also, sorgen für die Entstehung weiterer Eisberge. Man mag es vielleicht nicht glauben, aber es gibt dort unten ein ausgesprochen reichhaltiges Ökosystem mit vielen Pflanzen und Tieren. Die Antarktis ist so ziemlich das letzte großflächig unzerstörte Ökosystem dieses Planeten.
Unwirkliche Lebensbedingungen
Zu sagen, dass die Antarktis kalt ist, wäre stark untertrieben. Es wird kaum je wärmer als 11 Grad und das auch nur in den küstennahen Gebieten und an sonnigen Tagen. Das liegt nicht etwa daran, dass es keinen Sonnenschein gäbe, davon hat dieser Kontinent mehr als genug. Direkt am Südpol geht die Sonne nur einmal im Jahr auf und einmal unter, ein halbes Jahr Polartag und ein halbes Jahr absolute Finsternis während der Polarnacht sind das Ergebnis. Zum Polarkreis hin werden die Tag-Nacht-Wechsel-Bedingungen etwas weniger extrem.
Das allgegenwärtige Eis verschwindet natürlich auch im Sommer nicht, schließlich bestehen 99 Prozent der Oberfläche dieses Kontinents aus Eis. Die tiefste gemessene Temperatur liegt bei knapp minus 90 Grad. Durchschnittlich ist es etwa minus 55 Grad kalt, in Küstennähe etwas wärmer. Am Nordpol liegen die Temperaturen durchschnittlich betrachtet jeweils 30 Grad höher. Wer keine heftigen Stürme, oft sogar mehrmals pro Woche, mag oder ertragen kann, sollte den Südpol besser meiden. Diese Stürme erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 300 km pro Stunde. Im Winter ist der Kontinent eher unzugänglich. Eine fast 1000 Kilometer breite Mauer aus Packeis schließt den Kontinent und seine spärlichen Bewohner in der ewigen Finsternis der sechs Monate dauernden Polarnacht ein. Als kleinen Ausgleich gibt es im größten Süßwasserspeicher der Welt kaum Niederschlag.
Überraschendes Verhalten der Gestirne
Gewöhnungsbedürftig kann für den Antarktis-Besucher auch der Wechsel der Jahreszeiten sein. Wenn bei uns Sommer ist, herrscht dort unten Winter. Auch die Sternbilder sowie das Verhalten von Sonne und Mond sind ungewohnt. Die alten Regeln, die einem dabei helfen, sich abnehmenden oder zunehmenden Mond einzuprägen, verlieren ihre Gültigkeit. Der Mond verhält sich auf der Südhalbkugel genau andersherum, als man das von zuhause gewohnt ist. Die Sonne geht zwar im Osten auf und verschwindet im Westen wieder, doch dort unten wandert sie in die andere Richtung. Sonne und Mond überraschen außerdem durch verschiedene Phänomene, die mit der Brechung des Lichts zu tun haben.
Optische Phänomene können helfen oder in die Irre führen
Zudem findet der Reisende verschiedene optische Phänomene, die vor allem in der Schifffahrt beachtet werden müssen. Eisblink und Wasserhimmel helfen Kapitänen immer noch dabei, ihr Schiff durch eisige Gewässer zu steuern. Niedrig hängende Wolkendecken wirken wie ein Spiegel. Eisflächen reflektieren das Licht und sind daher auch im „Spiegel" als solche erkennbar. Freie Wasserflächen erscheinen dagegen dunkel. Trotz aller technischen Fortschritte kann man darauf auch heute manchmal nicht verzichten, denn flache Eisfelder sind im Radar nur bedingt erkennbar.
Befindet man sich auf einer schneebedeckten Landschaft, die von einer geschlossenen Wolkendecke überspannt wird, so kann es eventuell zum gefürchteten „whiteout" kommen. Die sog. „Weiße Finsternis" lässt die Anhaltspunkte der Orientierung verschwinden, da das Sonnenlicht sowohl vom Schnee als auch von den Wolken diffus gestreut wird. In Küstenregionen führen eintreffende kalte Winde durch Dichte-Unterschiede der Luft manchmal zu Luftspiegelungen, die ferne Objekte verzerren oder den Beobachter vollkommen über deren Standort täuschen. Die Südpol-Variante der Fata Morgana hat schon so manchen Reisenden in die Irre getrieben oder ihn unmögliche Dinge sehen lassen.
Schutz-Abkommen und Nutzung der AntarktisDer sogenannte Antarktisvertrag wurde abgeschlossen, um Landschaft sowie Tier- und Pflanzenwelt zu schützen. Man einigte sich auf eine friedlich gesinnte und wissenschaftlichen Zwecken dienende Nutzung. Die beteiligten Nationen müssen dann natürlich auch Präsenz in Form von Expeditions-Teams und Forschungsstationen zeigen. Ein Abbau von Bodenschätzen sowie eine Nutzung für militärische Zwecke ist streng verboten. Reiseveranstalter, die Touren zum Südpol anbieten möchten, müssen sich ihrerseits einem strengen Kodex unterwerfen, um Gefährdungen zu vermeiden.
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